Norbert Döding - STILLE
Sabina Flora
Hartmut Schrader "Eiswelten"

Kunstausstellungen 2018

Graphothek der Stadtbücherei Holzminden: geöffnet Di + Do 11-18 Uhr, Mi + Fr + Sa 10-13 Uhr

9. Juni – 7. Juli 2018 - Vernissage am 9. Juni, 11 Uhr

Norbert Döding - „Stille“

www.norbertdoeding.de

Fotos von der Vernissage

Text von Wolfgang Raddatz zur Ausstellung "Stille" von Norbert Döding

 

 

 

1. September - 17. Oktober 2018 - Vernissage am 1. September, 11 Uhr

Sabina Flora "Vom Verborgenen und vom Wachsenden"

www.sabinaflora.de

Bericht zur Ausstellung mit Fotos von der Vernissage

Rede zur Eröffnung von Thomas Tigges

24. November 2018 – 26. Januar 2019 - Vernissage am 24. November, 11 Uhr

Hartmut Schrader – Naturfotografie - "Eiswelten"

www.naturerlebnisse.eu

 

 

Norbert Döding und Wolfgang Raddatz
Beginn der Einführungsrede von W. Raddatz
 

Zur Vernissage der Ausstellung "Stille" vom 9.6.-7.7.18

In der Galerie „Graphothek“ der Stadtbücherei Holzminden stellen vorwiegend Mitglieder des Kunstkreises Holzminden ihre neuesten künstlerischen Werke aus. Besonders interessant ist es, wenn neue Mitglieder begrüßt werden können und sich mit einer Einzelausstellung in Holzminden vorstellen.

Dies trifft auf Norbert Döding zu, der sein eigenes Atelier in Bad Pyrmont betreibt und sich im letzten Jahr an zwei Gruppenausstellungen des Kunstkreises Holzminden e.V. mit bildnerischen Werken beteiligte. Geboren 1952 in Bremen und langjährig als Gymnasial-Lehrer tätig, arbeitet er nach seiner Pensionierung intensiv an seinem künstlerischen Werk, an Skulpturen, Bildern und literarischen Texten (www.norbertdoeding.de).

Zahlreiche Einzelausstellungen konnte er präsentieren sowie sich mit seinen Werken an vielen Gruppenstellungen beteiligen. Die Gedanken von Norbert Döding selbst zum Ausstellungthema „Stille“:

(Zitat) „In unserer aktiven und von Zielen und deren Erfüllung bestimmten Zeit wird die Stille möglicherweise kaum noch erfahren. Dadurch bleibt wenig Zeit für einen Rückzug aus dem Äußeren, wir empfinden "Gegenwart ohne Dauer", uns fehlt der "epische Atem". Mindestens seit der Romantik ("Es war, als hätt der Mond die Erde still geküsst...") ist die Stille eine Sehnsucht, ein Sehnsuchtsort. Und wenn wir sie erreichen, wie stellt sie sich uns dar ("Was man alles hört in der Stille - ist das das Leben?"). Die Ausstellung ist insofern ein Versuch, Stille sichtbar zu machen. Die Umsetzung ist durch literarische Impulse initiiert - aus dem Lesen entspringt ein Gedanke und setzt sich im Bildlichen fort.“ (Zitatende)

Zur Vernissage der Ausstellung „Stille“ am Samstag, 9. Juni, um 11 Uhr laden der Künstler, der Kunstkreis Holzminden e.V. und die Stadtbücherei sehr herzlich ein. Zur Einführung in das bildnerische Werk von Norbert Döding spricht ein Künstlerkollege, der Maler und Grafiker Wolfgang Raddatz. Die musikalische Einstimmung auf das Thema der Ausstellung übernimmt die Gruppe Rhythmic Meditation, Detlef Konrad und Michael Röder, in der Zeit vor und nach der Eröffnung.

Die Ausstellung kann bis zum 7. Juli 2018 zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei besucht werden. Der Eintritt ist frei. Ort: Stadtbücherei, Obere Straße 30, 37603 Holzminden, 2. Etage – Graphothek, geöffnet: Di + Do 11-18 Uhr; Mi + Fr + Sa 10-13 Uhr Kontakt: Tel.05531-9364-0; Kaestner.martina@holzminden.de ; www.holzminden.de/buecherei.html

Zur Ausstellung "Stille" von Norbert Döding

Norbert Döding - Stille                       Stadtbücherei 09. Juni 2018

        Die Stille

Höre, hör mein Kind, die Stille.

Eine Stille, die gewellt ist,

eine Stille,

darin Gebet und Echos gleiten,

und die zu Boden neiget

aller Stirnen.

Federico Garcia Lorca

Was mag einen Dichter bewegen, über Stille zu schreiben, wo doch Worte die Stille durchbrechen?

Was mag einen Musiker bewegen „Stille“ zu komponieren, wo doch die Töne die Stille aufheben? Was mag einen bildenden Künstler bewegen, „Stille“ zu gestalten, wo doch, obwohl die Bilder stumm sind, sie zu uns sprechen.

Was hat Norbert Döding bewogen, „Stille“ bildnerisch zu gestalten und jedes Mal ein anderes Stück Literatur oder Musik als Ausgangspunkt seiner Gestaltung zu wählen?

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich im Namen des Kunstkreises Holzminden zur Ausstellung Norbert Döding „Stille“, den ich Ihnen hier zugleich als neues Mitglied des Kunstkreises vorstellen darf.

Statt zu schweigen und Stille zu verbreiten habe ich das Wort gewählt, nicht ganz freiwillig sondern weil Norbert Döding mich gebeten hat über die „Stille“ zu sprechen, die er in seinen Arbeiten gestaltet, sie materialisiert, sie in eine visuell lesbare Form übersetzt.

Was bestimmt die bildnerische Umsetzung eines Stücks Literatur? Ist der Prozess ein analytischer oder ein experimenteller, macht er die formale Struktur zum Gegenstand der Gestaltung oder zielt er auf den Ausdruck eines bestimmten Gefühls? Vergegenständlicht er eine Imagination oder geht er von sprachlichen Bildern und im Text genannten Metaphern aus, die er verbildlicht? Was wir als Betrachter mit Sicherheit sagen können, ist, dass Norbert Döding keine Abbilder sucht, denn seine Bildwelt ist eine ungegenständliche, bestenfalls vorgegenständliche Bildwelt.

Mit seinem Gestaltungsansatz betritt Norbert Döding kein Neuland, er muss auch nicht die Kunst neu erfinden sondern kann zurückgreifen auf eine mehrere tausendjährige Geschichte der Kunst... Wobei er die gesamte gegenständliche Kunst ausblenden kann, für die der adäquate Ausdruck der Stille das Stillleben war.

Erst die Befreiung der Kunst vom Gegenstand, dem Verlust ihres mimetischen und narrativen Charakters, in der die Dingwelt – wenn auch in unterschiedlichen Ausformungen – ihren unverrückbaren Platz hatte, ermöglichte eine rein gestalterische Auseinandersetzung mit den bildnerischen Mitteln der Kunst. Norbert Döding steht in der Tradition dieser Kunst, die ihren Ausdruck in der Farbe und in der freien Form sucht und deren Schöpfungen keine Entsprechungen in der Dingwelt haben.

Die bestimmenden Gestaltungsmittel in den Arbeiten von Norbert Döding sind die Fläche und die Linie. Die Bildflächen haben eine körnige, schrundige, raue und erdige Materialität, die den Betrachter verführen kann, hier nicht nur das visuelle, sondern auch das haptische Erlebnis zu suchen. Die Linie wird durch ihren Gegensatz zur Fläche bestimmt. Dieser Gegensatz hat nicht etwa nur visuelle sondern auch metaphysische Bedeutung. Der Linie ist nämlich ihr Untergrund zugeordnet. Die Linie bezeichnet die Fläche und bestimmt diese als ihren Untergrund, sie verleiht ihrem Untergrund Identität, die eine ganz andere als die einer weißen Papierfläche ist.

Die Stille wird in einer scheinbar immer hektischer, lauter und uns mit visuellen Reizen überhäufenden Lebenssituation von vielen Menschen als ein erstrebenswerter Zustand angesehen. Die Sehnsucht nach Stille, Einkehr und Ruhe ist aber kein neuzeitliches Phänomen, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Das Bedürfnis nach Stille war so groß, dass der Mensch begann, ihr einen Raum zu geben, wo sie geschützt und in atmosphärischer Umgebung erlebt werden kann. Die Kirchen und Tempel dieser Welt zeugen davon.

Eine der ältesten Aufgaben der Bildenden Kunst ist es, den Betrachter zur Kontemplation einzuladen und mit dem geistigen Teil seiner selbst in Kontakt zu bringen, denn der Lärm dieser Welt vermag unsere tiefsten Sehnsüchte nicht zu stillen. Für die Neuzeit ist wohl Rothko Chapel der Ort, in dem der sakrale Raum, die großformatigen Gemälde von Rothko und die dazu geschaffenen Kompositionen von Morton Feldmann dem Besucher nicht nur ein synästhetisches Erlebnis sondern auch eine umfassende kontemplative Erfahrung ermöglichen.

Auch für Norbert Döding ist das Thema „Stille“ kein wirklich neues Thema, denn schon unter seinen früheren Arbeiten finden wir Werke mit einem deutlich ausgeprägten meditativen Charakter. Der verstärkende Impuls für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Stille“ war der philosophische Essay „Der Duft der Zeit“ von Byung-Chul Han, in dem sich dieser auf den Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust bezieht.

Der Titel verweist zugleich auf die wohl am häufigsten zitierte Passage, in der Marcel Proust als Erwachsenem von seiner Mutter eine Madeleine serviert wird und – nachdem er sie in den Tee getaucht hat – deren Geschmack ihm die Fülle seiner Kindheitserlebnisse mit allen Bildern, Klängen, Geschmäckern und Gerüchen wieder vergegenwärtigt.

In fünf Arbeiten (Bild 2-6) reflektiert Norbert Döding diesen Text und lotet die unterschiedlichen bildnerischen Möglichkeiten einer Visualisierung aus. Die Bilder dieser Ausstellung sind nummeriert, die Titel finden Sie in der ausgelegten Liste und hier kann der Künstler Norbert Döding seine ursprüngliche Profession, die des Pädagogen, nicht verleugnen, indem er dem Betrachter nicht nur den Titel sondern auch die Quellen seiner Gestaltung mitteilt, ... und das ist gut so ... denn welcher Betrachter hat die vom Künstler bearbeiteten Gedichte von Gottfried Benn, Rainer Maria Rilke oder Wolfgang Großmeier sofort parat.

Die ausgestellten Arbeiten sind kongeniale Übersetzungen von Sprache in bildhafte Gestaltungen, die auch ohne Text Bestand hätten. Auch wenn die geistige Wesensverwandtschaft in der Umsetzung des Textes in ein neues Medium deutlich spürbar ist, so ist das Ergebnis auch – oder vor allem – der Ausdruck einer persönlichen Betroffenheit und Empfindsamkeit. Als Betrachter können Sie Text und Bild abgleichen, nach Übereinstimmungen suchen oder dem Dargestellten widersprechen.

Kann die Stille in dem Bild bei Rainer Maria Rilke rot sein? ... ...wo doch Rot eine laute, schreiende Farbe ist. Was wir sehen, ist das Ergebnis eines Gestaltungsprozesses. Ein Prozess des Korrigierens, des Reagierens, des Ausprobierens und des Verwerfens, der gedanklich und gestalterisch so lange durchgespielt wird, bis das Ergebnis dem Verständnis des Künstlers entspricht ... und in diesem konkreten Fall ist für ihn Rot die richtige Entscheidung.

Die Empfindung des Betrachters muss sich nicht mit der des Künstlers decken. Der Künstler weiß das und der Betrachter weiß das auch. Ein Bild muss nicht gefallen. Kunst braucht Fragen, auch das Hinterfragen, den Zuspruch und den Widerspruch, Verständnis und Unverständnis, es braucht die Auseinandersetzung mit dem Betrachter oder, wie es Norbert Döding formuliert: „Wenn die Worte schweigen, ist es still. ... Wenn das Denken schweigt, ist nichts.“

MUSIK

Vier Minuten, acht Sekunden und vier Minuten, 13 Sekunden „4:08 und 4:13“ Eine Zeitangabe als Titel erinnert an Bekanntes: John Cages 4´:33´´, ein Musikstück, bei dem während der gesamten Spieldauer kein einziger Ton gespielt wird ...und dennoch ein Schlüsselwerk der Neuen Musik. Auf der Suche nach neuen Hörerfahrungen stellte John Cage in einem schalldichten Raum in Cambridge fest, das er rhythmische Geräusche vernahm. Der zuständige Techniker erklärte ihm später, dass er verschiedene Abläufe in seinem Körper wahrgenommen hatte. „Ich hörte, dass Schweigen, dass Stille nicht die Abwesenheit von Geräuschen war, sondern das absichtslose Funktionieren meines Nervensystems und meines Blutkreislaufes. Ich entdeckte, dass die Stille nicht akustisch ist. Es ist eine Bewusstseinsveränderung, eine Wandlung.“

Auch die beiden Zeitangaben in der Arbeit von Norbert Döding beziehen sich auf ein Musikstück, oder genauer formuliert, er benennt mit dem Bildtitel zwei Pausen in der Komposition „Andante Cantabile“ von Peter Tchaikowski. Pausen sind der musikalische Aspekt der Stille. Was hören wir in der Stille? Hören wir alle das Gleiche? Was spüren und was erleben wir in musikalischen Pausen? Womit assoziieren wir Stille? Auch wenn in ihnen kein musikalisches Ereignis stattfindet, verfolgen Pausen in der Musik eine Absicht. Sie tragen Sinn, verweisen auf etwas und sind ebenso von Bedeutung wie die klingenden Noten.“ Es sind die kurzen Momente der Stille, in denen scheinbar die Zeit stehen bleibt, wo das eben gehörte noch nachklingt, die Emotion überdeutlich spürbar ist, weil der Hörer auf sich selbst zurückgeworfen wird. Diese Stille ist für Norbert Döding das „Andante Cantabile“ und Auslöser für die Gestaltung.

Für die Präsentation seiner Arbeiten hat Norbert Döding den Ort der Ausstellung gut gewählt. Die Stadtbücherei ist ein Ort der Stille, des Suchens und Forschens und Entdeckens in der die Galerieräume zu einem Ort des Verweilens und der Kontemplation werden. Wie der Ton kommt auch das Bild aus der Stille, rückt ins Blickfeld des Betrachters, wird Gegenstand eines Seherlebnisses, der Reflektion und Auslöser von Emotionen, um dann wieder aus seinem Blickfeld zu verschwinden. Was bleibt, sind eine Empfindung und eine Erinnerung.

Auch wenn Sie jetzt viel Musik und Text gehört haben, so steht doch die Kunst im Mittelpunkt. Die an und für sich schweigt. Was zum Klingen kommt ist nicht mehr, als sich im Innern des Betrachters findet. Und so mag die „Stille“ beim Einen stumm bleiben, beim Andern sich als beredt erweisen.

(Text von Wolfgang Raddatz)

MUSIK

Sabina Flora
Thomas Tigges zur Eröffnung

Zur Ausstellung SABINA FLORA - Vom Verborgenen und vom Wachsenden

Bericht zur Ausstellungseröffnung SABINA FLORA „Vom Verborgenen und vom Wachsenden“

Graphothek der Stadtbücherei Holzminden * 1. September bis 17. Oktober 2017

Die Kunstausstellung zeigt Werke der Kölner Künstlerin Sabina Flora, Objekte und Gemaltes. Zur Eröffnung begrüßte die Leiterin der Stadtbücherei, Martina Kästner, die Gäste und versprach zauberhafte Erlebnisse bei der Beschäftigung mit den ausgestellten Objekten. Verborgene geheimnisvolle Geschichten wären zudem in einer Bücherei gut aufgehoben.

Der Kunstkreisvorsitzende Thomas Tigges bezeichnete die Künstlerin Sabina Flora als echte Bereicherung für den Kunstkreis Holzminden. Sie zeigt seit 2016 zu den verschiedensten Ausstellungen des Kunstkreises ihre Werke im Weserrenaissance Schloß Bevern. Sabina Flora sei eine hervorragende Zeichnerin und Malerin. Formal sind ihre Arbeiten von traumhafter Sicherheit, dazu berühren sie den Betrachter intensiv.

Thomas Tigges sprach darüber, dass Sabina Flora nicht nur Künstlerin ist sondern auch als Ausstellungsmacherin im Kölner Raum bekannt ist für ihre Paternoster-Installationen, die sie in öffentlichen Gebäuden für ihre ansässigen Künstlerkollegen inszeniert. In ihr Ausstellungsprojekt "Stille Post" hat sie über 50 Künstler aus ganz Deutschland aufgenommen. Diese Ausstellung wird demnächst in Remscheid und anschließend in Köln zu sehen sein.

Die Ausstellung in der Holzmindener Graphothek kann zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei besucht werden. Der Eintritt ist frei. Dienstag und Donnerstag von 11-18 Uhr und Mittwoch, Freitag und Samstag von 10-13 Uhr. [M.Kästner]

Rede zur Eröffnung von Thomas Tigges

Sabina Flora

Vor einigen Jahren erreichte mich anlässlich einer Ausstellung in Schloss Bevern ein besonders liebevoll eingehülltes Paket. Mit braunem Packpapier eingeschlagen und Kreuzbändern geschnürt.

Es war lange her, dass ich so etwas gesehen habe. Ich trug es in mein Atelier, öffnete es und zu Tage kamen nochmals in feines Seidenpapier eingeschlagene buchartige Gegenstände. Eines ergriff ich und nahm es aus dieser zarten Hüllung, öffnete es uns sah das ich etwas ganz besonderes in den Händen hielt. Als erstes schickte ich die Kater aus dem Atelier, denn die führen gern Grobes im Sinn wenn sie Rascheliges sichten/hören. Dann betrachtete ich die Kunstwerke einer mir damals unbekannten Künstlerin. Aus Minuten wurden Stunden. Die Arbeiten fesselten mich absolut. So wie es nur Kunstwerke tun, die mich das eigene Ich sofort vergessen lassen aber gleichzeitig die Regie über mein Ich übernehmen.

Ich sah ein Panoptikum aus Figuren, Cellisten, Clowns, dramatische Figuren, und Geschöpfe aus der Fauna. Da waren sensibel angelegte Farbflächen zeichnerisch umrandete Flächen, Texturen und Texte, geschriebene Textfragmente und gefunden Textstücke. Das Ganze verwoben durch Linien, Farbspuren mal ganz fein aufgetragen, mal auf collagiert. Die Flächen gekonnt vermalt und die Zeichnungen mit traumhafter Sicherheit auf das Papier gebracht.

Aber was hielt ich da eigentlich in den Händen? Leporellos…5 seitige Leporellos. Die Arbeiten schienen sehr verletzlich, nur geschützt durch ihre Würde… Und die strahlten sie aus. Definitiv. Doch was faszinierte mich daran so, warum verharrte ich seit Stunden vor diesen Arbeiten? Ich konnte mir diese Frage lange Zeit nicht beantworten. Waren das Geschichten? War es die Art der Darstellung, war es das deutliche des Darstellens neben dem sich zurückziehen in die Fläche. War es das Deutliche in Konkurrenz mit dem magisch Geheimnisvollen?

Irgendwann kam der Punkt, der mir Klarheit verschaffte. Das war wie der Moment, an dem ich zum ersten Mal eine perspektivische Zeichnung lesen konnte, eine Art Initiation. Mir wurde klar, dass Sabina Flora keine Geschichten in ihren Bildern erzählt. Aber sie löst Geschichten in mir aus. Sabina Flora setzt einen Protagonisten und mehrere Zeichen,…. führt mit Farbe und Strich durch den Bildraum, stellt auch mal Barrieren auf, die es zu überwinden gilt. Sabina Flora ist keine Erzählerin, aber sie legt Dinge in mir frei die mich glauben machen, ich erlebe eine Erzählung.

Alles was passiert ist schon immer in mir gewesen. Das ist ihre Kunst. Das lösen,  was existentiell in uns ist.

Sabina Flora erleben dürfen. Wenn wir etwas zusammen unternehmen. Absolute Aufmerksamkeit.

Flora in der Stadt. Entdecken kleinster Kampfsituation.

Pflanzen zwängen sich durch den Asphalt. Pflanzen in kleine Gruppen.

Graffitis der allerkleinsten Sorten.

Musterbildungen

Auf Zeichen von Daseinsäußerungen reagieren.

Mit Sabina Flora Ausstellungen erleben. Bundeskunsthalle in Bonn, Comic bis Manga. – Arpmuseum. - Die Beeinflussung der europäischen Moderne durch japanische Kunst.

Absolut beeindruckendes Wissen.

Gestern der Aufbau dieser Ausstellung.