Der Journalist und Autor Jürgen Gückel liest aus seinem neuen Buch "Klassenfoto mit Massenmörder - Das Doppelleben des Artur Wilke"

Donnerstag, 7. November 2019, 19:30 Uhr, Aula der Grundschule Karlstraße

Jürgen Gückel ist Journalist. Er war fast vier Jahrzehnte als Redakteur und Korrespondent für verschiedene Zeitungen tätig und wurde für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnet.

Er lebt heute wieder in seiner alten Heimat am Rande jenes Dorfes, in dem ein NS-Massenmörder zum geachteten Dorfschullehrer werden konnte. Gückel selbst wurde von diesem Lehrer unterrichtet. Er geht nach einem halben Jahrhundert der Frage nach, warum sein Lehrer so plötzlich weg war — aus dem Unterricht abgeholt, offenbar von der Polizei, für ein Jahrzehnt verschwunden und vom ganzen Dorf verschwiegen. Viele Jahre der Nachforschungen in Archiven, Prozess- und Personalakten, unzählige Gespräche mit Mitschülern, Zeitzeugen und Historikern und das Studieren ungezählter Schriften über die Zeit des Nationalsozialismus waren nötig, bis ein umfassendes Bild des unglaublichen Lebens jenes Mannes am Rande des Einschulungsfotos dokumentiert war. Er war kein Lehrer, er war ein Massenmörder, ein Agent, Betrüger und Bigamist. Und man hat ihn eine ganze Generation Schüler unterrichten lassen, obwohl nicht wenige wussten oder ahnten, dass er nicht der ist, als der er sich ausgibt.

Jürgen Gückel dokumentiert in diesem Buch nicht nur das Leben eines vom Rassenwahn der SS Verblendeten, sondern beschreibt auch die Geschichte seiner hartnäckigen Recherche. Er gibt Opfern und Tätern des NS-Terrors ein Gesicht. Und er beschreibt drei überraschende Nebenerkenntnisse seiner Recherche: das Schweigen und Nichtwissenwollen eines ganzen Dorfes in der jungen Bundesrepublik, den zwiespältigen Umgang von Kirche und Politik mit den verurteilten NS-Kriegsverbrechern sowie die Zweifelhaftigkeit eigener und fremder Erinnerungen.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Stadtarchivs und der Stadtbücherei Holzminden im Vorfeld des 9. November.

Eintritt: 8 €, ermäßigt (Leserausweis Stadtbücherei; HGV): 7 €.