Familienforschung

Personenstandsregister wurden im Braunschweigischen ab 1876 geführt, in den preußischen Dörfern Neuhaus und Silberborn bereits ab 1874. Die älteren Register des Standesamtes Holzminden sowie der für die ehemals selbständigen Ortschaften zuständigen Standesämter befinden sich im Stadtarchiv Holzminden. Zu berücksichtigen sind die Schutzfristen (Geburten: 110 Jahre, Eheschließungen: 80 Jahre; Sterbefälle: 30 Jahre). Insofern liegen im Stadtarchiv vor (Stand: 2019):

Heiratsbücher 1874/76 bis 1938,

Geburtenbücher 1874/76 bis 1908,

Sterbebücher 1874/76 bis 1988.

Meldeunterlagen sind für die Stadt Holzminden ab 1874 überliefert, allerdings aus den ersten Jahren nur unvollständig. Für die eingemeindeten Ortschaften sind entsprechende Angaben nur teilweise vorhanden. Einen Überblick dazu kann man sich im Archivinformationssystem verschaffen. Gleiches gilt für die in der Archivbibliothek vorhandenen Adressbücher ab 1892.

Für die Zeit vor Einführung der Standesämter geben die Kirchenbücher Auskunft über Taufe, Heirat und Beerdigung. Im Stadtarchiv sind lediglich Kopien der älteren Holzmindener Kirchenbücher (Lutherkirche) vorhanden; die Originale nebst Namenregistern befinden sich im hiesigen Kirchenbuchamt.

Unter den städtischen Archivalien, die zu genealogischen Fragen Auskünfte geben können, sei besonders auf das Bürgerbuch aus den Jahren 1746 bis 1787 hingewiesen. Auch die im Bestand A.1 überlieferten Rechnungsbücher belegen eine Vielzahl von Personen in Holzminden.

Verstreute Belege aus der Zeit vor Beginn der Kirchenbücher finden sich gesammelt in: Klaus Kieckbusch: Von Ackerleuten, Hexen und Söldnern – Bürgerleben in Holzminden vor und nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Mit einer Liste der Einwohner zwischen 1598 und 1637. Holzminden 2004. Darin enthalten ist ein Anhang: „Bisher erfasste Einwohner der Zeit vor 1590“.

Abschließend sei hingewiesen auf das im Internet veröffentlichte und fortwährend ergänzte „Online Ortsfamilienbuch Holzminden“ sowie die „AG Familienkunde“ des Heimat- und Geschichtsvereins für Landkreis und Stadt Holzminden e. V., deren Kontaktdaten auf der Seite des Vereins ebenfalls im Internet einzusehen sind.

Kann Holzminden 2022 eine "1200-Jahrfeier" begehen?

Die Antwort ist kurz und knapp: nein!

Dem Stadtarchiv wurde zugetragen, in der "Kretschmer-Chronik" werde für das Jahr 822 die erste schriftliche Erwähnung Holzmindens genannt (Kretschmer, Paul: Die Weser-Solling-Stadt Holzminden - wie sie wurde, was sie ist. Holzminden [1982], S. 40/41). Dies ist jedoch nicht richtig: Paul Kretschmer gibt korrekt an, es fehle eine Datierung der Angabe. Nach damaligem Forschungsstand datierte man diese Nennung in die Zeit zwischen 822 und 836.

Inzwischen rückt die Forschung den - auf 50 Jahre erweiterten - Zeitraum sogar einige Jahre weiter an die Gegenwart heran. Demnach dürfte diese Nennung aus der Zeit zwischen 826 und 876 stammen (Casemir, Kirstin u. Uwe Ohainski: Niedersächsische Orte bis zum Ende des ersten Jahrtausends in schriftlichen Quellen (Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens, 34 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, II/34). Hannover 1995, S. 75).

Keine Chance also für ein exakt zu bestimmendes Jubiläum!