Exkurs: Der Rest des Oberen Teiches

Der Obere Teich – genauer gesagt: sein verbliebener Rest – befindet sich heute innerhalb eines Firmengeländes. Schon vor dem Erwerb der Teiche durch die Stadt Holzminden verkaufte der Staat 1897 in diesem Bereich eine Fläche von 22 Ar an die Firma Haarmann & Reimer. Im Gegensatz zu den anderen beiden Teichen plante die Stadt für den Oberen Teich keine Einbeziehung in die zu schaffenden Grünflächen. Im März 1900 stellte die Stadtverwaltung unmissverständlich fest, „dass jenseits der Eisenbahn der promenadenartige Charakter der Anlagen aufhört und dass auch das Gelände und die umgelegenen Baulichkeiten wenig dazu angetan sind, an dieser Stelle Promenadenanlagen zu schaffen.“ Im Gegenzug wurde überlegt, Teile des Oberen Teiches zuzuschütten und die gewonnenen Flächen als Bauland zu nutzen.

Der Obere Teich in seiner ursprünglichen Größe. Die blaue Farbe der Zeichnung täuscht eine große Wasserfläche vor – tatsächlich war der Teich um 1900 bereits teilweise verlandet. (Stadtarchiv Holzminden, S.3 Nr. 47)
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Gebäude der ehemaligen Oberhütte weiterhin von der Administration der Sollinger Steinbrüche genutzt. (Stadtarchiv Holzminden, S.1 PAL Nr. 2774)
(Stadtarchiv Holzminden, S.1 HAL 22891)
(Stadtarchiv Holzminden, S.1 VMB 26358)

Am 14. Juli 1902 verkaufte die Stadt den Oberen Teich nebst zugehörigen Gebäuden an Otto Haarmann. Von diesem gelangte das Eigentumsrecht etwa ein Jahr später an die Administration der Sollinger Steinbrüche. Ein Schleifen von Steinplatten wurde aber kaum noch betrieben, und so bestand für die Firma keine Notwendigkeit, den Teich noch aufwendig freizuhalten. Nebenstehende Luftaufnahme aus dem Jahre 1956 belegt, wie weit fortgeschritten die Verlandung zu diesem Zeitpunkt war.

Die Ansichtskarte aus dem frühen 20. Jahrhundert dokumentiert im Grunde dieselbe Entwicklung. Aber hier erscheint der Teich eher als ein idyllisches Fleckchen Kulturlandschaft. Der Bildausschnitt wurde so gewählt, dass von den umgebenden Fabrikanlagen nichts zu sehen ist. Kreisbauinspektor W. Müller hatte wohl Recht, als er bereits 1897 schrieb: „der Obere Teich bildet eigentlich nur einen großen Sumpf, in dem kleine Wasserflächen von geringer Tiefe mit schilfbewachsenen Schlammbänken wechseln“. Alle drei Teiche mussten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder entschlammt werden, um ein Verlanden zu verhindern.